Andere Lebensformen

Katja erzählt, warum sie Kommunen mag.

Das ist Katja. Sie lebt wie Du in einer Welt, in der viele Menschen morgens zur Arbeit gehen und Abends ganz kaputt sind. Sie haben dann keine Lust und keine Zeit mehr das zu machen, was ihnen Spass macht. Deshalb sind sie traurig. Und dann gibt es da noch Menschen, die keine Arbeit haben und auch traurig sind. Und alle haben Angst, dass es noch schlimmer wird und sie bald nicht mehr genug Geld haben. Das Geld brauchen sie nämlich, um Essen für sich und ihre Kinder zu kaufen. Das ist irgendwie seltsam, denn Essen braucht schließlich jeder, egal wie viel Geld er hat. Noch seltsamer ist aber, dass die Menschen trotz ihrer Angst nicht auf die Idee kommen, dass zusammen vieles einfacher wäre. Nein, sie leben sogar noch viel einsamer als vor einigen Jahren und versuchen, alles alleine zu schaffen. Sehr seltsam! Aber auch kein Zufall: Denn in der Welt, in der Katja und die anderen leben herrscht der Kapitalismus. Der funktioniert besonders gut, wenn alle einzeln leben, weil sie sich dann gegenseitig Dinge verkaufen können. Also macht der Kapitalismus, dass die Menschen viel umher reisen müssen, abends zu müde sind, um andere Menschen zu treffen, und Angst haben, die anderen könnten ihnen etwas wegnehmen. Deshalb leben sie einzeln oder nur mit einem Partner.

Die Katja findet das aber blöd. Sie hat nämlich gemerkt, dass das gar nicht gut ist, was der Kapitalismus von ihr will und dass man viel mehr schöne Dinge erleben kann, wenn man zusammen lebt. Katja wohnt mit vier anderen Menschen in einer Wohngemeinschaft. Jeder hat dort sein eigenes Zimmer, in dem er sich wohl fühlen kann. Die Küche, das Bad und das Wohnzimmer teilen sich die Fünf. Das ist ziemlich praktisch, denn es braucht ja nicht jeder einen eigenen Herd und wenn Katja nicht jeden Abend selbst kochen muss, freut sie sich auch. Das macht sie nämlich gar nicht so gerne. Zusammen Essen macht auch mehr Spass als alleine essen und es ist sogar gesünder für Katja, weil sie gar nicht aufgepasst hat, ob sie auch was gutes isst, als sie noch alleine war. Die Leute in der WG können immer die ganz großen Packungen Lebensmittel kaufen, weil sie so viele sind, und das ist günstiger. Zusammen leben ist sowieso günstiger. Das ist ein bisschen blöd für den Kapitalismus, was die Katja freut. Und wenn der Kapitalismus oder sonst wer die Katja geärgert hat und ihr zum Heulen zumute ist, dann ist die Katja total froh, dass sie mit netten Leuten zusammen wohnt, die sie dann trösten können. Die Leute in der WG sind der Katja sowieso ziemlich wichtig. Sie wünscht sich, dass diese Leute sich gegenseitig helfen und sich nicht so wie im Kapitalismus als Konkurrenten bekriegen. Das ist gar nicht so einfach, weil der Kapitalismus uns beigebracht hat, wie wir uns Menschen gegenüber verhalten sollen. Aber wenn alle sich Mühe geben, keinen in die Ecke zu drängen, die anderen mit ihren Eigenarten zu akzeptieren und auf ihrem Weg zu unterstützen, dann können alle dabei ganz viel profitieren und viel über sich selbst lernen. Das ist sehr wichtig, aber im Kapitalismus hat das fast jeder vergessen. Deshalb ist das Zusammenleben manchmal auch ziemlich anstrengend für Katja und die anderen. Sie müssen nämlich noch ganz viel lernen und manchmal streiten sie sich auch. Aber dann sehen sie zum Beispiel mal wieder ein Sofa auf dem Sperrmüll, das noch gut in ihr Wohnzimmer passen würde, und freuen sich, dass sie zusammen wohnen, denn alleine hätten sie das Sofa nicht in den dritten Stock ihrer Wohnung tragen können.

Weil die Katja das Zusammenleben mit Menschen so wichtig findet, würde sie gerne mit mehr Menschen zusammen wohnen. Dann könnten sie in noch größeren Töpfen leckere Dinge kochen und wenn Katja was unternehmen will, wäre bestimmt einer dabei der da mitmachen wollte. Und da das mit dem Geld im Kapitalismus so blöd ist, will die Katja auch gerne ausprobieren, ob man in einer Gruppe auch anders damit umgehen kann. Nämlich so, dass alle so viel Essen können wie sie wollen, egal ob sie eine Arbeit haben oder nicht und wie viel Geld sie verdienen. Das ist zwar auch wieder schwierig zu lernen, weil der Kapitalismus uns jahrelang etwas ganz anderes gelehrt hat, aber es kann klappen. (Katja weiß, dass es klappen kann, weil es viele Menschen gibt, die so leben, was aber die Medien im Kapitalismus den Leuten nicht so gerne erzählen.) Wenn Katja so mit ein paar Menschen zusammen leben würde, dann würde man das nicht mehr Wohngemeinschaft, sondern Kommune nennen. Und wenn es klappt, dann wären Katja und die anderen ziemlich froh und der Kapitalismus würde sich ärgern, weil er ja nicht will, dass die Leute so leben. Damit der Kapitalismus aber überhaupt merkt, wie Katja und die anderen leben, will Katja nicht in einer Kommune ganz weit weg von den anderen Menschen leben, sondern mitten in einer Stadt. Und sie will auch nicht in der Kommune arbeiten, sondern im Kapitalismus, damit sie nicht vergisst, wie schlimm der Kapitalismus ist. So eine Kommune ist nämlich keine einsame Insel. Wenn Katja und die anderen ab und zu von der Kommune in den Kapitalismus gehen und den anderen erzählen, wie sie leben, verstehen vielleicht immer mehr Leute, warum es seltsam ist, Geld auszugeben, wenn man etwas essen will, und warum es viel besser ist, zusammen zu leben.
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"Sobald Demokratie sich wirklich ernst nähme und alle gleichviel zu sagen hätten, ware das Anarchie." - Ralf Burnicki
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